Bernstein galt als „Tränen der Götter“, weil seine warme Farbe, sein Duft beim Erwärmen und die in ihm eingeschlossenen Insekten wie magische Zeichen wirkten. Menschen deuteten ihn als verfestigtes göttliches Licht oder als Tränen himmlischer Wesen, die auf die Erde gefallen waren.
Schon in der Bronzezeit wurde Bernstein über große Entfernungen gehandelt und in Gräbern als Schutz- und Amulettstein verwendet. Seine elektrostatische Aufladung, die kleine Partikel anzieht, erschien wie ein übernatürlicher Effekt und verstärkte den Glauben an spirituelle Kräfte. In nord- und osteuropäischen Mythen weinten Naturgottheiten oder Sonnenfiguren Tränen, die sich im Meer zu Bernstein verhärteten – eine poetische Erklärung für den Fund des Materials an Küsten. Zugleich war Bernstein selten, leicht zu bearbeiten und glänzend, wodurch er einen hohen symbolischen und ökonomischen Wert erhielt. Diese Mischung aus natürlichem Rätsel, Schönheit und spiritueller Deutung machte ihn zu einem heiligen Stoff des alten Europa.


