Die Terrakotta-Armee sollte den ersten chinesischen Kaiser Qin Shihuangdi im Jenseits schützen und seine weltliche Macht in eine ewige, symbolische Ordnung übertragen. Ihr „Geheimnis“ liegt in der enormen handwerklichen Vielfalt und der komplexen Organisation ihrer Herstellung.
Die Tausenden Figuren wurden ab dem 3. Jh. v. Chr. aus modular gefertigten Einzelteilen zusammengesetzt, wodurch jede Statue ein individuelles Gesicht erhielt. Forscher vermuten spezialisierte Werkstätten, die parallel an Waffen, Rüstungen und Pferden arbeiteten und militärische Formationen realgetreu nachbildeten. Die Armee spiegelte so die tatsächliche Streitmacht des Qin-Reiches wider – komplett mit Offizieren, Bogenschützen und Streitwagen. Gleichzeitig diente sie einem religiös-politischen Zweck: Der Kaiser glaubte, dass seine Macht im Jenseits fortbestehen müsse, weshalb eine monumentale Wächtertruppe notwendig war. Die Figuren blieben über zwei Jahrtausende verborgen, weil die Anlagen unter Erde und Schuttschichten versiegelt wurden. Dadurch blieb die Armee ein nahezu ungestörtes Zeitkapsel-Dokument imperialer Ideologie, Technik und Staatsorganisation.


