Codices dienten als zentrale Wissensspeicher, in denen mesoamerikanische Kulturen Geschichte, Religion und Astronomie festhielten. Sie funktionierten als visuelle Bücher, die Rituale strukturierten, Kalender berechneten und politische Legitimation sicherten.
Die Maya, Mixteken und Azteken schufen Codices aus bearbeiteter Baumrinde oder Hirschhaut, bemalt mit glyphischen Zeichen und farbigen Szenen. Diese Darstellungen vermittelten genealogische Linien, Tribute, Göttermythen und rituelle Vorschriften – oft in einer festgelegten Lesereihenfolge. Priester nutzten Codices, um Opferzeiten, Festkalender und Omen zu bestimmen; Herrscher legitimierten über sie ihre Abstammung und Macht. Einige Bücher kombinierten astronomische Tabellen mit religiösen Zyklen, sodass Landwirtschaft, Politik und Kultpraxis präzise koordiniert werden konnten. Da viele Codices während der Kolonialzeit zerstört wurden, sind die erhaltenen Werke heute unverzichtbare Quellen für das Verständnis mesoamerikanischer Weltbilder, Wissenssysteme und sozialer Ordnung.


