Das Labyrinth symbolisierte einen heiligen, abgeschlossenen Raum, in dem Menschliches und Übernatürliches aufeinandertreffen. In der zentralen Mythosfassung diente es dazu, den Minotauros einzusperren und die Macht des Königs Minos sichtbar zu machen.
Seine Bedeutung reicht jedoch weiter: Das Labyrinth stand für Prüfung, Gefahr und den inneren Weg zur Selbsterkenntnis. Daidalos’ architektonisches Meisterwerk galt als so komplex, dass niemand ohne Hilfe wieder herausfand – ein Bild für seelische Verirrung und die Suche nach Orientierung. Der Faden der Ariadne wurde zum archetypischen Motiv für Führung, Wissen und Rettung. In religiöser Deutung verkörperte das Labyrinth den Übergang zwischen Leben und Tod sowie die zyklische Erneuerung, wie sie viele mediterrane Kulte kannten. Es verband politische Macht, rituelle Vorstellungen und moralische Lehren zu einem der beständigsten Symbole der griechischen Mythologie.


