El Dorado bezeichnete ursprünglich keinen Ort aus Gold, sondern einen „vergoldeten Mann“, dessen rituelle Salbung europäischen Eroberern wie eine goldene Stadt erschien. Aus dieser Fehlinterpretation entwickelte sich der Mythos eines unbegrenzten Goldreichs.
Die Legende geht auf Berichte über ein Krönungsritual der Muisca in den Anden zurück: Der neue Herrscher wurde mit Goldstaub bedeckt und warf Opfergaben in einen heiligen See. Spanische Conquistadoren deuteten diese Erzählungen als Hinweis auf eine verborgene Metropole voller Schätze. Forscher vermuten, dass die Kombination aus tatsächlichem Goldreichtum, geografisch schwer zugänglichen Regionen und kolonialer Gier die Geschichte weiter verstärkte. Im 16. und 17. Jahrhundert führte der Mythos zu aufwendigen Expeditionen in das nördliche Südamerika – alle erfolglos, aber kulturell prägend. El Dorado steht daher weniger für einen realen Ort als für menschliche Sehnsucht nach Reichtum, Macht und dem „unentdeckten Paradies“.


