Die Felszeichnungen von Tassili n’Ajjer sind deshalb so mysteriös, weil sie eine hochentwickelte, längst verschwundene Kulturlandschaft zeigen und Motive enthalten, deren Bedeutung bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Sie dokumentieren ein grünes, bewohntes Sahara-Gebiet und geben einzigartige Einblicke in prähistorische Lebensformen.
Die bis zu 12.000 Jahre alten Darstellungen zeigen Jäger, Tänzer, Rinderherden, spirituelle Wesen und ritualisierte Szenen. Besonders die „Rundkopffiguren“ wirken rätselhaft: übergroße Köpfe, schwebende Körper und tranceartige Haltungen deuten auf Schamanismus oder religiöse Praktiken hin. Die späteren Perioden zeigen den Wandel der Sahara vom Savannenland zur Wüste und spiegeln damit ökologische und soziale Umbrüche wider. Da die Kulturen keine Schrift hinterließen, lassen sich Bedeutungen nur aus Stil, Kontext und Vergleichen erschließen – ein Grund, warum Tassili n’Ajjer als „Felsbild-Bibliothek“ gilt, deren Inhalte noch immer entschlüsselt werden.


